Vergiss‘ Kreativität und Authentizität: Individualität ist der neue, nein: ganz alte heiße Scheiß

Was wir von Rousseau lernen können? Mit Individualität in einer oberflächlichen Welt zu bestehen. Dieser Artikel ist nicht lektoriert, inhaltlich nicht ganz rund – aber vor allem eins: individuell.

Im Kopf wälze ich häufig die verschiedenen Menschen umher, mit denen ich so zu tun habe. Als Geisteswissenschaftlerin (auf englisch: HUMANITIES) tut man das sowieso, denn man kommt mit dieser Beobachtungsgabe von Menschen auf die Welt und studiert dann halt Literaturwissenschaft oder Philosophie oder sowas. Daher checke ich intuitiv, wer mir gut tut und wer nicht. Gott sei Dank werde ich so langsam erwachsen und halte Abstand von Menschen, die sich irgendwie wie ein emotionaler Trampel verhalten. Ich bin in diesem Punkt leider auch besonders resolut: Wer mich zum Beispiel auf LinkedIn einfach so markiert, nur um die Reichweite seines Posts zu erhöhen, muss schon sehr eng mit mir vernetzt sein, um nicht die ewige Ignoranz der Teresa W. zu ernten. Und weil es schon mehrmals vorgekommen ist: Nachdem ich mit Menschen einen schönen Austausch hatte, landen meine Ideen und Inhalte dann auch gern mal gern ohne weitere Nennung istgleich Würdigung auf LinkedIn als Post – oder gar als Artikel. Wenn du jemand aus meinem Netzwerk bist: Lass‘ das! Das ist echt unter aller Sau. So jung und naiv bin ich dann auch nicht mehr.

Von solchen Menschen und solchen im digitalen Raum

Ich habe für mich schon öfter festgestellt, dass es so Social-Media-Performance-Künstler gibt. Für die sind Social Media eine reine PR-Bühne: Bussi, Bussi rechts-links und dann: „Ach schöööööön, dich zu sehen!“ und das schön dann aber bitte betont lang aussprechen, ja, damit es dann noch mehr bedeutsames Gewicht bekommt. Es gibt aber auch die Leute, die betrachten Social Media als Resonanzraum, nämlich als einen Ort, wo wir aufgrund des technologischen So-Seins unsere Meinungen, Ansichten und Einsichten teilen können – und nicht nur den Bussi-Bussi-Selfie-Moment. Und dieser zweite Haufen an Menschen interessiert mich, zu denen zieht es mich hin. Interessanterweise sind das NIE Menschen, die irgendwie das fette Geld oder sonst einen Status haben. Ich glaube also, Ehrlichkeit hat definitiv mit Frust zu tun – und nicht nur mit Mut. Beziehungsweise: Je höher der Frust über diese unehrliche Welt, desto mutiger sind wir. Buy the way: Ja, kauf‘ den Weg, denn wenn wir diesen Frust verspüren und wacker bei uns bleiben, können wir auch in der Bussi-Bussi-Performance-Welt als ehrliche Menschen bestehen. Vertrau‘ also auf dein Herz! Das wissen ja sogar schon die ganzen Spiegel-Bestseller-Autoren mit romantischen Sonnenaufgängen auf dem Cover. An meine geisteswissenschaftlichen Freunde, kurzer Spoiler: Unten wird der Artikel noch etwas handfester.

JEDENFALLS: Als ich gerade sagte, dass es keine Menschen mit Status seien, die so aus tiefsten Herzen ehrlich sind: Es sind auf jeden Fall Menschen, die sich an der Welt reiben. Die viel beobachten, wahrnehmen, aufnehmen. Das sind in erster Linie Kreative, Intellektuelle, aber auch stille Beobachter, stumme Mitleser; das heißt: die Kategorisierung nach Rollen ist totaler Bullshit. Und mich interessieren Titel oder akademische Grade sowieso herzlich wenig.

So wenig wie das Alter etwas über Reife aussagt, so wenig sagen auch Titel und Herkünfte etwas über Intelligenz aus.

Teresa W. wie wer?!

Wie wir nun solche Menschen und solche erkennen: Ein Erfolgsmodell aus dem 18. Jahrhundert

Wie können wir aber die ehrlichen Menschen aus der großen Masse heraus erkennen, wahrnehmen, wertschätzen und natürlich ins persönliche Netzwerk aufnehmen, wenn es nicht nur Kreative, nicht nur Intellektuelle oder nicht nur stille Beobachter sind? Ganz einfach mithilfe einer Gemeinsamkeit, die all‘ diese Menschen haben: Individualität. Individuen sind „durch eigenes Gepräge gekennzeichnete[…] Einzelwesen„. Und ich paraphrasiere für meine Freunde der inhaltlichen Tiefe gern auch mal den Artikel „Individualismus“ aus dem Historischen Wörterbuch der Philosophie, in dem der Autor Prof. Anton Rauscher schildert, wo der Begriff herkommt (deswegen ja auch historisches Wörterbuch): Vor allem im 18. Jahrhundert in Frankreich war es total angesagt, individuell zu sein: Ist ja klar, irgendeinen Nährboden musste die Französische Revolution ja haben, denn es ist nicht unbedingt im Interesse eines absolutistischen Herrschers, das seine Untertanen irgendwie eigene Denkwege gehen. Lieber Bussi-Bussi, ne! Hach, da lacht der Hof. Daher kamen die autobiografischen Aufzeichnungen mit dem schon alles-sagenden Namen „Bekenntnisse“ von Jean-Jaques Rousseau genau richtig, die mit dem großartigen Satz losgehen:

Ich beginne ein Unternehmen, das ohne Beispiel ist und das niemand nachahmen wird. Ich will meinesgleichen einen Menschen in der ganzen Naturwahrheit zeigen, und dieser Mensch werde ich sein. Ich allein.

Jean Jaques Rousseau (große Liebe), erster Satz aus den „Bekenntnissen“, die erste Autobiografie an und für sich und überhaupt, erschienen 17hundertirgendwas

Rousseau war ja auch permanent genervt von seiner Umwelt und dem, was wir heute Mainstream nennen würden. Und so sparen die „Bekenntnisse“ aber auch gar nichts aus, schon gar nicht irgendwelche Peinlichkeiten. In diesem Sinne ist das, was Brené Brown da macht, auch nicht sooooo innovativ (dennoch wichtig, denn nicht jeder mag so alte Schinken lesen).

Rousseau wollte die „Naturwahrheit“ über alles erforschen und war dann zugegebenermaßen dann auch auf sehr seltsamen Denkpfaden unterwegs: Also Individualismus als Haltung gegen den Mainstream hat definitiv auch seine Grenzen! Das ist das, was ich meinen individuellen Freunden eigentlich auch immer beibringen will, weil es der Kern dessen ist, was ich von Goethe gelernt habe; er war wie so viele jugendliche Intellektuelle des 18. Jahrhunderts ein totaler Rousseau-Anhänger und hat aus Gründen der Naturwahrheit auch mal eine Zeitlang nur auf einem Brett geschlafen, aber irgendwann hat er dann doch erkannt, dass die Extreme irgendwie nicht so weise sind, weil du die Welt nicht dadurch veränderst, wenn du nachts auf einem Brett schläfst. Und wie natürlich alle von euch bildungsmäßig wissen, war Goethe nicht nur der einsame Dichter, sondern ein überall geschätzter Staatsmann und vor allem Forscher, vor allem Steine hatten es ihm angetan. Und Wolken. Da gab es halt noch keine Medien, die man hätte erforschen können. Die Natur war der einzige Ort, wo etwas abging, etwas, das wir heute erst wieder lernen müssen (mich eingeschlossen). Indem er aber seine Erkenntnisse mit der Masse geteilt hat, sie in Theaterstücke, Texte und Salongesprächen geteilt hat: Auf diese Weise hatten dann alle etwas davon. Und das ist der Sinn von Teilen – auch auf die heutige Social-Media-Welt übertragen.

Die Extreme oder der salonfähige Mittelweg, na was darf sein?

In Gefahr und Not, bringt der Mittelweg den Tod. Und mit diesem Satz könnte ich den ganzen Absatz hier auch schon dicht machen. Na gut, ein bisschen Schlaumeierei geht noch. Wer es bis hierher geschafft hat: Glückwunsch, du bist noch in der Lage, längere Texte zu erfassen. Und da sind wir auch schon mitten im Schmerz, mitten in der Gefahr und mitten in der Not: Die Social Media Welt ist ein so gesellschaftliches Glatteis mit so vielen Augen der Anderen, so viel gefühlter Kontrolle, Paranoia und was weiß ich, dass sie uns ernsthaft krank machen können – wenn wir nicht den Mut haben, mit unserer Individualität aufzutreten und mit unseren echten, eigenen Handlungsmotiven sichtbar zu sein. Ihr habt also die Wahl: Entweder ihr macht bei dem ganzen oberflächlichen Zirkus mit, dann aber bitte das Bussi-Bussi nicht vergessen, oder ihr nehmt euer krankes Herz ernst und seid in dem digitalen Raum als ihr selbst unterwegs. ich zum Beispiel schreibe gerne witzig-wertschätzende Kommentare, like auch mal das Bild von Tante Gabi (auch wenn es ein Grafik-Design-Unfall ist), teile Beiträge von NGO’s oder irgendwie kluge Gedanken und konsumiere vor allem kaum Influencer-Scheiß. Denn wie ihr wisst: Ich bin Sinnfluencer. Ich ziehe euch nicht das Geld aus den Taschen, sondern Ideen.

Und so kommt zum guten Ende / alles unter einen Hut / und ist das nötige Geld vorhanden / ist das Ende meistens gut!

Schlussverse der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht

„Ich beginne ein Unternehmen“, schreibt Rousseau am Anfang seiner Memoiren – aha!, sagt dann Teresa, denn da haben wir gleich eine gedankliche Brücke hin zu den Unternehmungen der heutigen Gründer geschlagen. Ich finde also, alle Gründer:innen sollten Rousseau lesen. Und wenn ihnen 250 Jahre alte Literatur einfach einen Ticken zu alt ist, dann halt Resi. Die Inhalte sind 100 Prozent dieselben. Und ich verweise an dieser Stelle wieder auf den Umstand: Der Mensch hat alles schon einmal gewusst! ALLES! So, und jetzt Schluss mit Frust.

Der Abschied vom Ego: Authentisch, weil achtsam im digitalen Raum

Achtsamkeit ist der Trend. Warum ausgerechnet Achtsamkeit-Coaches achtsame Kommunikation noch lernen sollten, wenn sie das Seelenheil der Welt wiederherstellen wollen.

Im digitalen Raum sind wir in einer reinen Ego-Manie-Sales-Maschinerie gefangen. Sales allein sind schon nicht achtsam. Wobei: Sie achten schon etwas, nämlich auf die Conversion Rate, auf Klicks und Kram, vor allem aber aufs Geld. Nun findet soziale Interaktion spätestens seit diesem Jahr ausschließlich im digitalen Raum statt. Gerade jetzt wäre Achtsamkeit das Gebot der Stunde. „Aber Teresa,“ ruft ihr jetzt, „was hast du denn? Es gibt doch megagute Angebote zum Thema Achtsamkeit! Das ist ja das Trend-Thema!“– „Eben,“ antworte ich euch dann, „eben.“ Und dann verweise ich euch auf diesen Artikel, der wie folgt weitergeht: Es gibt einen ganzen Heuschreckenschwarm, der sich über die Theorie zu diesem Thema hermacht. Und wer sich mit dem folgenden Satz identifiziert, ist selbst Schuld: Hier lockt halt gerade das schnelle Geld wie ein schönes saftiges Grün. Aber ich halte diesen ganzen Heilsversprechen-Content für geradezu gefährlich – und ja, auch in diesem bekloppten Jahr, wo sich alle nach Seelenthemen sehnen. Es sind aber immer nur Quick-Mindfullness-Hacks: Eine Yogaübung hier, ein Meditation da und sowieso: Morgenrituale, ganz wichtig, Leute. Natürlich mit kalter Dusche, damit ich dann einen klaren Kopf bekomme. Und wenn das alles nicht hilft, dann buche halt für nur 2999,- Euro drei Tage meinen Yoga-Retreat. Ach Corona, na gut, dann halt meinen Kurs für nur 345,- Euro, Workbook inklusive, na klar.

Auch ohne Corona: Vergiss‘ Ibiza. Und die sozialen Medien gleich mit

Vergiss‘ zumindest die marketingoptimierte glatt gelutschte Seite. Ibiza ist schön, dort am Strand weise in die Ferne zu blicken ist es auch und die sozialen Medien, ja, die können auch echt Spaß machen. Aber mal ehrlich: 2020 hatte es sehr in sich. So sehr, dass wir diese glatt gelutschte Seite echt nicht gebrauchen können. Wir wurden alle ziemlich gebeutelt – und ich spare mir hier eine Aufzählung, wer genau welche Konsequenzen tragen musste. Ich schreibe lieber formal dichte Texte, auch wenn sie inhaltlich nicht ganz dicht sein mögen. Nur ich bin halt wie das kleine Kind in dem Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ und sage häufig: „Aber der hat ja gar nichts an!“ – Entzaubern kann ich also sehr gut und gehe dieser Beschäftigung am Intensivsten in meinen Instagram-Stories nach. Das Entzaubern von irgendwelchen Glaubenssätzen oder Buzzwörtern – und sowieso allem, was fake ist – ist mein persönlicher Beitrag, den ich als Geisteswissenschaftlerin einfach leisten muss, um damit am Ende eine Lösung aus dem Hut zu zaubern, die den Menschen wirklich hilft. Und die ist meistens nicht glattgelutscht. Das Kind in dem Märchen meint es schließlich auch nicht böse. ☞ Als Spoiler: Es geht mir in diesem Artikel NICHT um ein Bashing des Themas Achtsamkeit, sondern um die fragwürdigen Geschäftsmodelle, die damit betrieben werden. Hier ein Meme, welches ich der Anschaulichkeit zuliebe gebastelt habe:

Falls einer fragt: Das Meme habe ich mit imgflip.com selbst gebastelt.

Die Entzauberung der Achtsamkeit nach Art des Hauses

Es gibt also einen Haufen Menschen (Trainer, Therapeuten, Organsisationsentwickler, mentale Gesundheitsexperten und Berater), die mit Achtsamkeit gerade ihr Geld verdienen. Oder eben damit, dass es uns armen modernen Menschen in unserem bis zur perfekten Instagram-Schönheit optimierten Zuhause einfach zu gut geht. Ich kann aber diese ganzen Zitate und Glücksversprechen auf Instagram einfach nicht mehr ertragen, ich sag’s euch. Und auch wer so etwas (re-) produziert, kann sich auch nicht von Luft und Liebe ernähren, auch wenn diese Person uns das immer glaubhaft machen will. Gehen wir also mal einen logischen Denkweg, gemeinsam. Bei meinem Vertriebsmentor Max (genannt: Mentor Max) habe ich folgende Unterscheidung gelernt: Es gibt zwei Arten von Marketing: Branding oder Conversion. Conversion ist alles aus dem Zaubertrick-Kiste des Vertriebs: Künstliche Verknappung, Angebote, Preisvorteile, Call-to-Actions (CTA). Klick‘ hier, kaufe jetzt. Aber im Ernst? Ich finde das schlimm, weil es auf den Menschen einen Druck ausübt und definitiv NICHT vertrauenserweckend ist. Dabei ist es so leicht, die Herzen der Menschen zu gewinnen: Sei einfach verdammt noch mal ehrlich zu dir und zu den anderen – der Weltfrieden könnte so einfach sein.

Einseitigkeit als Glücksfall und Gefahr

Es gibt im Leben nie das eine OHNE das andere. Das ist das einfachste und langweiligste Prinzip der Welt, aber auch das wichtigste. Leben geht nicht ohne Tod, Liebe nicht ohne Hass, schwarz nicht ohne weiß. Geisteswissenschaftler kennen übrigens noch mehr ultimative Gegensätze. Wenn wir von einer Sache das Gegenteil verstanden haben, haben wir sie selbst schon ziemlich gut verstanden. Und von daher finde ich den Laura-Maria-Seiler-oder-wie-die-heißt-Achtsamkeits-Trend mehr als gefährlich: Weil Achtsamkeit einseitig gepredigt wird und wir gar nicht kapieren, was Achtsamkeit überhaupt ist. Und der Oberwitz: Letzten Endes ist es eine riesige Geldmaschine, genauso wie Tobias Beck oder wie die ganzen selbst ernannten Coaches alle so heißen. Es geht nur um Sales. Wir kauftauschen ein gutes Gefühl gegen ein schlechtes, welches uns vorher (auch noch via Storytelling!) gemacht wurde. Das Allerschlimmste: Das ist nicht nur kauftauschen, sondern auch kaufrauschen. Die Industrie hat es schon immer verstanden, die Menschen in einer schwierigen Lage sittenwidrig in ihre Abhängigkeit zu bringen. Das ist wie Labello, der Stoffe enthält, die die Lippen langfristig austrocknen und schon müssen wir einen neuen kaufen.

Achtsamkeit ist an sich etwas Grandioses

Achtsamkeit ist das Gebot der Stunde, keine Frage. Auch hier will ich mir die Aufzählung sparen, denn dass das rücksichtslose Verhalten des Menschen den Globus ziemlich zugrunde richtet, haben wir alle schon verstanden, oder? Der Partner in Crime von Achtsamkeit ist Nachhaltigkeit und beide bilden zusammen mit ihren Kindern veganer Ernährung, Verzicht auf Konsum und sowieso auf alle Produkte des Turbokapitalismus eine friedvolle Familie. Ich stelle sie allein aus ironischen Gründen mal als eine Sitzprotest-Gruppe dar, die früher mal Gitarre gespielt und sich dann träumerisch in den sanften Wellen eines korallefarbenen Meeresglühen gewiegt haben. Mit Lagerfeuer am Strand, klar. Wer das jetzt fies findet, hat sich den Instagram von Laura Malina (aha) Seiler noch nicht angesehen. Zum Mitschreiben: Ich will auch achtsam und nachhaltig leben und bin da auch sehr resolut, glaubt mir das bitte. Noch einmal: Meine Kritik richtet sich gegen die einseitige, rein auf Verkauf-orientierte Kommunikation von Menschen, die sich irgendwann mal wachgeküsst gefühlt haben und jetzt auf einer dubiosen Mission sind – nämlich mit wenig Aufwand viel Geld verdienen. Oder noch konkreter: Meine Kritik richtet sich gegen Unprofessionalität im weitesten Sinn, die sich hinter einem riesigen Social-Media-Marketing-Heiopei versteckt und letzten Endes mit der leichten Verführbarkeit der Menschen Geld machen will.

Warum ich mich 2021 mehr mit dem Thema beschäftigen werde – und vor allem wie

Eine meiner Jahreshighlights 2020 ist die Verbindung zu Stefanie, die inzwischen zu einer Freundschaft gewachsen ist. Stefanie ist Coach und alle, die jetzt die Augen rollen: Sie ist kein Sales-Coach und dafür liebe ich sie. Wir beide schenken den Menschen Klarheit und Orientierung, und ja, als Kunde kann die Zusammenarbeit mit uns ziemlich intensiv werden. Keine Happy-me-time in pfirsich-farbenen Beigetönen (im Englischen gibt es gar einen Spruch: „Everything is just peachy.“) Nein, Stefanie und ich bauen unsere berufliche Partnerschaft von gemeinsamen Projekt zu gemeinsamen Projekt immer mehr aus und haben irgendwann festgestellt: Wir sind an dem Menschen interessiert, der vor uns sitzt und weder an seiner Rolle in der Welt noch an seinen Rollen an Geld. – Sondern ausschließlich an der Person, die übrig bleibt, wenn wir die häufig in den sozialen Medien erschaffene Figur mal höflich zur Seite treten lassen. So arbeiten wir jedenfalls nicht:

In 2021 werde ich meine Businesspartnerschaften ausbauen und festigen. Netzwerke sind die neue Organisationsform – in diesem Sinne stimmt dieses Schaubild auch für mich und mein Netzwerk NICHT 🙂

Über Real Deals im Thema Achtsamkeit und Storytelling

Das Tolle an Stefanie und mir: Wir sind beide für unsere jeweiligen Bereiche extremst qualifiziert. Stefanie ist als Coach ICF-zertifiziert und macht regelmäßige Aus- und Weiterbildungen, mit Supervision und Co. Achtsamkeit heißt bei Stefanie eine ewig lange Praxis in Yoga und Mediation (auch in Indien) und eine mehrjährige Ausbildung auf einer neurowissenschaftlichen Basis als Trainerin für Achtsamkeit in Organisationen; außerdem macht sie Weiterbildungen am Presencing Institute des MIT– das ist schon das Hogwarts der Achtsamkeit! Ist so! Und ich bin in Storytelling sehr qualifiziert, weil ich 12 Semester Literaturwissenschaft studiert habe und weiß, wie und warum Literatur wertende Kommunikation über Werte ist (Definition meines kürzlich verstorbenen Professor Willems). Und ich weiß von der Pike auf, wie Geschichten funktionieren. Da ist echtes Wissen sehr hilfreich, was Plots und Narrative sind. Was Korrektive sind. Warum uns manche Dinge berühren und warum manche nicht. Woran wir inhaltlichen Müll in einer schönen Verpackung erkennen.

Und wir beide sind mit allen Wassern gewaschen: Sie hat jahrelang im Konzern (Bosch) gearbeitet und ich im Agenturwesen, wo ich Storytelling schon immer angewendet habe. Wir beide haben uns an einem Punkt im Leben gefunden, an dem etwas verändern wollten. It’s a match!

Was Stefanie und ich eigentlich tun

Stefanie hilft den Menschen herauszufinden, wer sie überhaupt sind und was sie ausmacht. Sie arbeitet mit den individuellen und tief gehenden Fragen und Methoden, die schon ordentlich in der Seele herumrühren und Verborgendes herausbrechen, nämlich das Potential des Einzelnen zu aktivieren. Die Basis aller Selbsterkenntnis bilden unsere Werte. Der Coachee ist immer der Experte in seinem Prozess und bestimmt wie weit und tief er in seine Verletzlichkeit gehen möchte. Das ist bei den Power-Sellern ganz anders, Stichwort Ausnutzen einer schwachen Situation und einer tiefgreifenden Verzweiflung, die uns an jeden Grashalm klammern lässt. Power-Seller nehmen auch Klienten an, die eigentlich in eine Therapie gehören. Und das ist alles unseriös und erst recht kreuzgefährlich und wir bewegen uns hier sogar in einer rechtlichen Grauzone.

Ich helfe den Menschen, dieses wiedergefundene Ich aus ihrer persönlichen Lebensgeschichte heraus in den digitalen Raum zu tragen – aber ein Ponyhof ist die Zusammenarbeit mit mir dann auch nicht richtig: Denn auf LinkedIn-Profilen, Websiten, Instagram-Stories und Co. einen authentischen weil verletzlichen Auftritt à la Brené Brown hinzulegen, das ist wirklich höhere Kunst, weil es einfach sehr viel Mut auf der Seite unserer Kunden erfordert und von mir ein extrem hohes Maß an Empathie und Kreativität. Jedenfalls: Stefanie räumt das Seelenfeld gründlich aus der Tiefe auf, ich kann dann ergänzend auf dieser Basis den Plot herausfinden und die Urgeschichte herauskristallisieren. Das Schönste an unserer Zusammenarbeit ist: Wir sind gleich und doch so schön anders.

Meine Crew ist extrem unsichtbar und das ist auch der Sinn der Sache

Als ich in die Selbstständigkeit gestartet bin, war es von Beginn an mein Traum, ein Partner-Netzwerk zu haben, auf das ich mich verlassen kann. Ich wusste von Anfang an: Ich brauche jemanden für Grafik-Design, für Web-Design und jemanden, der sich mit Datenanalyse auskennt. Daher habe ich über die sozialen Medien bewusst keine kundenzentrierte Kommunikation gemacht, sondern so knalltütig-ironisch, wie ich glaube, von meinen alten Kollegen in der Agentur sehr gemocht worden zu sein. Ich hatte schon erste Aufträge und brauchte daher kein Sales zu machen. Und wisst ihr, was passiert ist? Also erstens ist meine Strategie aufgegangen und ich habe ein tolles Team um mich herum versammelt (Jahreshighlight 2020!) , aber zweitens: Es sind auf diese Weise eigentlich alle Aufträge reingekommen. Das Feedback war immer: „Ich finde es so cool, was du machst, es ist so authentisch!“, „Ich kenne niemanden mit so coolen Instagram-Stories wie die von Teresa.“ Und eigentlich bin ich halt nur gnadenlos ehrlich und erzähle viel. Storytelling halt! Jedenfalls ist das Team, mit dem ich arbeite, einfach grandios, weil es alles hochqualifizierte, aber stille Profis sind. Gemeinsam mit Stefanie habe ich an ihrer Website gearbeitet – ab Mitte Januar ist aber erst die Version online, die ich für sie konzipiert und mit meinem Dream Team namens Grafik-Design-Profi Isis-Helena Visscher und Webdesign-Profi Marc Leyendecker zusammen erstellt habe. Denn wenn ich eins 2020 im digitalen Raum gelernt habe: Ich will einfach niemanden mehr auf den Leim gehen, der nicht absoluter Profi in seinem Gebiet ist. Und ja, ich bin altmodisch. Ich will Zertifikate und Blut, Schweiß und Tränen sehen von den Menschen, mit denen ich arbeite.

In Goethes Fußspuren – Italien, aber erst über die Alpen | September 2020

Kärnten klingt wie Käsefuß, tatsächlich klingen hier aber die Kuhglocken so vor sich hin und die Luft ist so klar wie die Einsicht, dass hier eben nicht alles Käsefuß ist. Denn eigentlich bin ich eher der Meertyp, weil ich es traumhaft finde, in die unendlichen Weiten zu sehen und vom salzigen Meerwind bis in die letzte Seelenfaser durchgepustet zu werden und Klarheit zu gewinnen. Wir merken: Teresa steht auf Klarheit. Ich empfand Berge immer als Drohkulissen und erzählte mir immer dieses harte Narrativ, dass die Menschen in den Tälern auch nur ein Tal weit sehen und vielleicht auch nur denken können und ja, ihr seht: Ich habe eine komplette Vollmeise. Aber so konstruiert sich halt jeder seine Wahrheit zurecht und es ist nur jedem zu raten, diese seine Wahrheiten regelmäßig zu überprüfen und festzustellen, wie doof man gewesen ist. Wir merken: Teresa steht wirklich auf Klarheit. Mein Problem mit der Bergwelt fassen wir also mal in der kommenden Überschrift so zusammen:

Bergwelt: Drohkulisse und talweites Denken

Ich bin sehr doof gewesen, was die Bergwelt betrifft. Das möchte ich in diesem Urlaub sehend verstehen, davon erzählen und die Eindrücke so beschreiben, dass vielleicht auch der ein oder andere Meertyp mal eine sehende Auszeit hier wagt. Ich will meine Einsichten also veranschaulichen und sie zur Darstellung bringen. Der geneigte literaturwissenschaftlich begabte Mensch unter uns würde das sofort als Literatur erkennen, denn etwas mit Worten zur Darstellung zu bringen, was keine wissenschaftlich-erklärende Absicht hat, ist halt Literatur. Daher wird es hier wenig Fakten geben aber sehr viel Werte, weil ich ja eh‘ Storyteller bin und so. Also wo wir gerade beim Thema Werte sind: Wir als Fremde müssen nicht gleich das rotkarierte Karohemd tragen und uns ganz einheimisch fühlen. Wir können schon der Snob bleiben, der wir halt sind, aber die Wertewelt in dieser Bergwelt sollten wir schon ganz bewusst mit einem wirklich sehenden Auge betrachten um einfach zu lernen, denn:

Was ich nicht erlernt habe, das habe ich erwandert.

Goethe, der alte Rembizembi.

Kommen wir also zu Teresas Goethe-Meise

Ich bin ein ziemlich große Freundin von Goethe. Er steht in meinem Regal als Büste vor der Gesamtausgabe, die ich mir von meinem Stipendiengeld geleistet hatte. Goethe war ein ziemlicher Fuchs: Viele kennen ihn immer nur als Dichter oder stellen sich ihn klischeemäßig auch mal als rotweindichten Denker vor, aber er war auch Entdecker. Und damit kann ich mich einfach sehr gut identifizieren. Ok, ich drehe jetzt nicht jeden Stein um, aber ich verstehe die Welt am liebsten, indem ich mich in fremde Welten stürze. So, und deswegen ist Goethe im Regal mein Sidekick wie einst Herbert Feuerstein bei Harald Schmidt. Er korrigiert mich, stellt mich bloß, macht sich lustig über mich. Ich kann es ihm nicht übel nehmen, denn meistens hat er recht. Wer an dieser Stelle denkt, dass ich wirklich eine Meise habe, kann sich das Ganze auf Instagram ansehen, denn in den Stories gebe ich meine zeitgeschichtlichen Beobachtungen ziemlich selbstironisch und ein bisschen Barbara-Schöneberger-mäßig zum Besten und ja, wie gesagt: Goethe kommentiert. Das ganze sieht dann so aus: 

So sieht es auf Instagram aus, wenn ich irgendwelche Tipps gebe die irgendwas mit Digitalisierung zu tun haben und Goethe hat mal wieder keinen Durchblick. (Screenshot)

Goethe war in Kärnten. Nicht. 

Jedenfalls war Goethe hier nicht, der ist über den Brenner. Wir sind an München und Salzburg vorbei und dann eher so von links her in die Karte reingeschlichen gekommen. Es ist Anfang September, das Jahr war wegen Corona für viele Menschen echt beschissen und nun ist es nochmal schön gewesen. Da holen viele männliche Menschen mindestens mittleren Alters ihren Silberfeil nochmal heraus und schleichen über die Landstraßen so vor sich hin während die Damen auf dem Beifahrersitz dann alle einen Strohhut aufhaben und ihn natürlich mit dem NICHT selbst angemalten Seidenschal festbinden. Nein, der Seidenschal ist natürlich von Hermès oder Chanel und ich kann ihnen das nicht mal übel nehmen, hätte ja selbst gern einen. Das sind jedenfalls die Eindrücke der Herfahrt gewesen. Die Eindrücke des Hofes, auf dem wir jetzt eine Woche wohnen, haue ich einfach in eine Bildergalerie (wäre doch viel zu langweilig hier zu beschreiben: Am Abend der Ankunft entdeckten wir erst einmal den Hof. No Shit! Erzähl‘ nicht!) 

Warum brauchen wir so etwas wie Sinnfluencer?

Weil es nicht darum gehen sollte, uns Geld aus der Tasche ziehen zu lassen, sondern Ideen.

Wie ich also gerade unfreiwillig dabei bin, Sinnfluencer zu werden

Wer mich aus dem echten Leben kennt und mit mir auf Facebook und Co. befreundet ist, weiß, dass ich gerne mal einen raushaue und das immer schön brav eineindeutig auf meinem nerdy-geisteswissenschaftliches Naturell begründe.

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